13. Was füttert man an der Futterstelle im Garten, was muss man sonst beachten, wenn man eine Futterstelle draußen einrichtet, und wie lange soll ich im Spätherbst zufüttern?
Oktober 7, 202615. Ich habe grünen, schleimigen und/oder dünnflüssigen Kot an meiner Igelfutterstelle im Garten gefunden. Was bedeutet das und was soll ich tun?
Oktober 7, 202614. Ich habe
Anfang Oktober Jungigel über 250 g gefunden. Oder:
Mitte Oktober Jungigel über 350 g gefunden. Oder:
Ende Oktober Jungigel über 500 g gefunden. Oder:
Anfang November Jungigel über 650 g gefunden. Oder:
Mitte November Jungigel über 700 g gefunden.
Was soll ich tun? (Vergleiche auch mit Frage 06)

gut proportionierter Jungigel, 350 g, so groß wie eine große Birne

gut proportionierter Jungigel, 430 g, so groß wie eine Mango
Jungigel in Freiheit im Verlauf des Herbstes
Jungigel im Garten, die man draußen lassen kann, sollten mindestens die in der Überschrift dieses Beitrages angegebenen Gewichte haben.
Dann besteht kein Grund zur Sorge, dass ein oder mehrere Jungigel aufgrund von Untergewicht den Winterschlaf nicht überstehen könnten. Nur, wenn Jungigel im November mit niedrigeren Gewichten in den Winterschlaf gehen, reichen die Fettreserven nicht bis zum Frühjahr. Sie wachen dann einfach nie wieder auf.
Zu Ihrer Information und Beruhigung hier 3 Beispiele, real gewogen, für gute Gewichtszunahmen dreier gesunder Jungigel mit Futterstelle im Garten:
Erstes Beispiel:
21. Sept.: 162 g
4. Okt.: 226 g
6. Okt.: 344 g
7. Okt.: 398 g
8. Okt.: 432 g
Zweites Beispiel:
5. Okt.: 352 g
7. Okt.: 399 g
14. Okt.: 537 g
22. Okt.: 658 g
Drittes Beispiel:
6. Okt.: 292 g
9. Okt.: 352 g
13. Okt.: 395 g
19. Okt.: 520 g

Besonders Jungigeln im Herbst erleichtert man mit einer Futterstelle das Überleben.
Eine Futterstelle im Garten ist ausreichende Unterstützung für die Entwicklung frei lebender Jungigel mit den in der Überschrift genannten Gewichten.
Bieten Sie eine regelmäßig jeden Abend frisches Katzendosenfutter mit Igeltrockenfutter an. Eine Wasserstelle mit frischem Wasser und zusammengeharkte Laubhaufen ergänzen die Futterstelle zu einer sinnvollen „Igelgarten-Infrastruktur“. Lesen Sie dazu den Text zu Frage Nr. 13 und, unter den Allgemeinen Informationen, den Beitrag „Igelfreundschaft im Garten“.
Es kommt häufig vor, dass ein (Jung-)Igel unterwegs beim Spaziergang gefunden wird, oder z. B. auf der eintönigen Grünfläche um ein Mietshaus herum, wo keine Futterstelle geduldet wird. Sollte Ihnen das passieren, und Sie haben keinen eigenen Garten, könnten Sie den Igel, wenn es mit Sicherheit ein Jungigel ist, eventuell umsiedeln in einen naturnahen Garten von Freunden, die bereit sind, eine entsprechende „Igel-Infrastruktur” einzurichten.
Wiegen ist die mit Abstand sicherste Methode, um Klarheit über Hilfsbedürftigkeit oder Nicht-Hilfsbedürftigkeit zu gewinnen. Gehen Sie nur dann nach Augenmaß vor, wenn Sie keine Digitalwaage besitzen oder die Igel anderswo als in Ihrer Wohnumgebung gefunden haben. Ist eine Digitalwaage zur Hand, wiegen Sie die Igel, um die Sie sich Gedanken machen. Ihre digitale Küchenwaage können Sie durch einen darübergezogenen Plastikbeutel und ein Mitwiegen einer für die Igel reservierten alten Schüssel hygienisch schützen. Im Vergleich zu dicken Alttieren erscheinen die Jungigel oft erschreckend klein, doch auf der Waage zeigt sich dann doch schon ein beruhigendes Gewicht.
Markieren und Liste schreiben: Nach dem Wiegen können Sie jedes Igelchen an einer anderen Stelle mit je einem kleinen Punkt Farbe, z. B. Tippex, oder Nagellack oder Schraubensicherungslack auf den Stacheln markieren. Schreiben Sie sich die Gewichte und die zugehörige Punktstelle in einer kleinen Liste auf (z.B. gelb vorne links 356 g, rot hinten rechts 410 g ...) und wiegen Sie in ein paar Tagen wieder, um zu sehen, ob jedes Tier ausreichend zunimmt. ausreichend heißt in dem Fall: ab 10 g aufwärts pro Nacht, nach oben sind keine Grenzen gesetzt.
Hygiene an der Futterstelle bedeutet, morgens die Hinterlassenschaften der Igel gründlich zu beseitigen. Achten Sie rings um die Futterstelle darauf, ob Sie grünen, schleimigen oder dünnflüssigen Kot sehen, denn das deutet auf Innenparasiten und/oder Darmentzündungen hin. Wenn Sie so etwas finden, lesen Sie den Text zu Frage Nr. 15.

Jungigel mit Verletzung der Nase in der Wiege-Schüssel

Wahrscheinlich sind Igelmutter und Geschwister im Wurfnest unter dem Reisighaufen. Foto: Daniela Dejl-Andree
Aufnahme in häusliche Pflege trotz genügend hohen Gewichts
Wenn Sie sich, warum auch immer, entschließen, einen eigentlich genügend schweren Jungigel nicht wieder in die Natur zu entlassen, z. B. wenn es ein ungewöhnlich kalter Herbst ist oder wenn Sie aus irgendwelchen Gründen draußen keine Futterstelle einrichten können (Rattenplage, intoleranter Hausmeister, Tier beim Spaziergang gefunden und keinen eigenen Garten), sondern absolut sicher sein wollen, dass er beizeiten für den Winterschlaf dick genug ist, dann nehmen Sie ihn bitte sofort auf und warten nicht noch ab. Denn nach 2 bis 3 Wochen Hochfüttern und paralleler Entwurmung kann ein rechtzeitig aufgenommener Pflegeigel noch vor dem Winter wieder in die Natur entlassen werden. Doch wenn Sie ihn erst noch wochenlang beobachten und dann zu spät aufnehmen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es draußen dauerhaft kalt wird, so dass Sie das Tier nicht mehr vor dem Winter auswildern können. Dann müsste der Igel einen Winterschlaf in einer Pflegebox in Gartenhaus oder Garage halten, und Sie hätten ihn bis Anfang Mai in Pflege – und dies alles, ohne dass es im strengen Sinne wirklich notwendig gewesen wäre.
Haben Sie den Igel aufgenommen, richten Sie sich bitte genau nach dem Text zu Frage Nr. Nr. 20 und setzen sich wegen der dann notwendigen Entwurmung gerne per Email mit mir in Verbindung.
Die Box des Pflegeigels müssten Sie bitte warm stellen, das heißt, 22° und mehr. Wenn die Box im Gartenhaus, nicht genügend geheizten Keller, im Gewächshaus oder in der Garage steht, wird das Tier dahin vegetieren, nicht genug fressen und nicht oder allenfalls genauso langsam zunehmen, wie wenn es in Freiheit wäre. Damit tun Sie dem Tier keinen Gefallen und befinden sich, da es sich um eine nicht notwendige Gefangenhaltung und nicht artgerechte Unterbringung eines unter Naturschutz stehenden Wildtieres handelt, nach dem Tierschutzgesetz in einer, gelinde gesagt, juristischen Grauzone.
Belassen Sie einen genügend schweren gesunden Jungigel bitte zum „betreuten Wohnen im Garten“ lieber draußen, wenn es irgend geht. Zur Betreuung im Garten (Futterstelle, Gewichtskontrolle, Unterschlüpfe) lesen Sie sich bitte die Texte zu den Fragen Nr. 13 und 15.

Jungigel gehören normalerweise in die Natur. Foto: Renate Szendera
