02. Ich habe einen Igel gefunden, der schwach und apathisch wirkt, oder torkelt, hustet, ratternde Atemgeräusche, gelblichen Nasenausfluss, vereiterte Augen oder Eitergeruch aus der Schnauze hat. Was soll ich tun?
Juni 23, 202601. Ich habe einen verletzten Igel gefunden (z. B. angefahren oder von Mähgeräten geschnitten, Bissverletzung etc.). Was soll ich tun?
Ein verletzter Igel ist absolut hilfsbedürftig, braucht sofort eine medizinische Behandlung und darüber hinaus sämtliche weiteren Hilfestellungen, die es für solche Tiere gibt.
Bitte legen Sie das Tier sofort auf eine handwarme Wärmflasche, um die Sie ein altes Handtuch gewickelt haben, und decken Sie Igel und Wärmflasche mit einer kleinen Öffnung für die Luftzufuhr mit einem zweiten Handtuch zu. Das Wasser der Wärmflasche alle 2-3 Stunden erneuern, da es schnell abkühlt. Vor allem auch für einen Transport muss das Tier warmgehalten werden. Ersatzweise können Sie statt Wärmflasche auch 2 leere Mineralwasserflaschen nehmen. Auf keinen Fall dürfen Fliegen die Möglichkeit haben, in offene Wunden ihre Eier zu legen. Ist dies schon der Fall, oder sind gar Maden zu sehen, mit der Pinzette so viel davon entfernen, wie irgend möglich. Fliegeneier auf keinen Fall nass machen.

Quetschung durch Rattenfalle

Derselbe Igel wie oben drei Wochen später
Wenn Sie in zumutbarer Entfernung von Hannover wohnen, bringen Sie den Igel bitte umgehend, d. h. auch nachts, in den 24-Std.-Notdienst der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover-Bemerode, Bünteweg 9, rechte Eingangstür. Vorne an der Säule klingeln und dann auf Aufforderung in die Gegensprechanlage sprechen. Das Tier wird dann mit Infusionen, Schmerzmitteln, Sauerstoff, Antibiotika usw. versorgt oder in besonders furchtbaren, ausweglosen Fällen auch von seinen Qualen erlöst.
Die Aufnahme in der TiHo kostet einmalig 25 €.
Wenn der Igel stabil geworden ist, ruft Sie, sofern Sie bei der Aufnahme darum gebeten haben, eine TiHo-Mitarbeiterin an, dass der Igel zur weiteren Versorgung oder zur Auswilderung am Fundort wieder abgeholt werden kann. Wenn Sie sich die weitere Pflege nicht zutrauen, setzen Sie sich mit einer Igelstation (siehe Fragen 29 und 30) in Verbindung.
Wenn Sie zu weit von Hannover entfernt wohnen und der Igel an Ihrem Wohnort mit Hilfe eines Tierarztes versorgt werden muss, sagen Sie dem Tierarzt bitte unbedingt, dass er dem geschwächten Tier auf keinen Fall gleich Entwurmungsmedikamente zumutet. Auch im spätereren Behandlungsverlauf dürfen bei Igeln einige Medikamente (Ivomec, Advocate) zur Entwurmung nicht verwendet werden. Der Igel verstoffwechselt diese Medikamente anders als Hunde und Katzen und trägt, wenn er sie überhaupt überlebt, sehr gravierende neurologische Schäden davon. Auch das Entwurmungsmittel Levamisol darf nur stabilen Igeln über 250 g Körpergewicht gespritzt werden, also nicht Ihrem Notfall, denn das Tier ist alles andere als stabil.
Tierärzte stehen solchen Fällen oft hilflos gegenüber, da der Igel im Tierarztstudium fast nicht vorkommt. Sie tun dann - in bester Absicht - oft etwas, das dem Tier gelinde gesagt mehr schadet als nützt. Ich biete gerne an, dass Ihr Tierarzt sich mit mir in Verbindung setzt und abspricht - auf eine entsprechende Email hin melde ich mich sehr zeitnah telefonisch bei Ihnen oder dem Tierarzt.
