25. Mein Pflegeigel beginnt im Winterschlafquartier seinen Winterschlaf nicht! Was kann ich tun?
Oktober 7, 202627. Meinem Fundigel geht es sehr schlecht. Ich will mit ihm zum Tierarzt gehen / ich war mit ihm schon beim Tierarzt und danach wurde es noch schlechter. Was kann ich tun?
Oktober 7, 202626. Was ist bei der Igel-Auswilderung im Frühjahr zu beachten?
Sie haben einen Igel überwintert und/oder auf ca. 750 g (Jungigel) bzw. 1000 g (Tier älter als ein Jahr) wieder hochgefüttert.
Bitte wildern Sie nicht mit geringeren Gewichten aus, denn ein ausgewilderter Igel wird erfahrungsgemäß nach dem Auswildern erstmal abnehmen, weil die Bewegung ungewohnt ist und weil er oftmals ein paar Nächte seine Freiheit auslebt, statt (s)eine Futterstelle zu suchen. Leider muss man auch immer einkalkulieren, dass sie ganz weglaufen und dann keine Futterstelle mehr haben. Ein bisschen Reservegewicht ist da unabdingbar.
Jungigel sollten Sie nur auswildern, wenn Sie einen eigenen, geeigneten Garten haben, denn dann ist die vorübergehende Einrichtung einer Futterstelle unverzichtbar.
Ältere Igel sollte man nur bei zwingenden Gründen umsiedeln. Deshalb bitte bei guter Verfassung des Tieres am Fundort auswildern, notfalls auch ohne Futterstelle, sofern der Fundort ein auch nur halbwegs akzeptables Igelbiotop darstellt.
Bitte lesen Sie den Beitrag „Igelfreundschaft im Garten“ unter den „Allgemeinen Informationen“. Dort ist u.a. beschrieben, wie Sie für den Igel ein Holz-Igelhaus, Stein-Igelhöhle, angelehntes Brett mit Stroh dahinter oder Ähnliches herrichten können und welche Gefahrenquellen es zu vereiteln gilt.
Der Zeitpunkt zur Auswilderung…
…ist erst gekommen, wenn draußen die Bäume und Sträucher voll ergrünt sind. Erst dann sind die natürlichen Beutetiere des Igels so weit entwickelt, dass der Igel sie jagen und fressen kann. In der Regel ist dies erst Anfang Mai der Fall.
Die Nachttemperaturen sollten nicht mehr unter +5° fallen.
Außerdem wildert man nicht aus, wenn es in der Nacht der geplanten Auswilderung anhaltend regnen soll. Das könnte den Igel dazu bringen, das Schlafhaus gar nicht zu verlassen. Igel mögen weder Regen noch starken Wind.
Futter
Man füttert dem ehemaligen Pflegeigel im Garten am besten sein gewohntes Futter. Wenn weitere Igel kommen und sich bedienen, erhöht man die Futtermenge natürlich, denn auch diese Igel haben es nach dem Winterschlaf nötig. Man füttert so viel, dass morgens noch ein kleiner Rest übrig ist (sonst war es nicht genug…)
Pro Igel bemisst man:
- ca. 200 g Katzendosenfutter, mit Kartoffelstampfer oder Gabel zu Brei zerdrücken,
- 2 bis 3 El. Igeltrockenfutter (lose erhältlich in einschlägigen Tierfuttergeschäften, wie „Fressnapf”, „Futterhaus” oder „Miezebello”, abgepackt in Kartons auch in einigen Supermärkten oder Gartencentern, abgepackt ist es meist deutlich teurer. Bitte aufpassen, kein Produkt für exotische Igel zu erwischen, das können unsere Europäischen Braunbrustigel nicht fressen.)
- 10-15 ml Wasser
- und 1 Tl. Speiseöl
Alles zu einem zähen Brei verrühren.
Futterstelle
Einen gefüllten Futter- und einen Wassernapf an eine geschützte Stelle mit Deckung im Garten stellen, an der Sie für ca. 2 Wochen die Futterstelle einrichten wollen
- Bis man den ausgewilderten Pflegeigel an der „allgemeinen Futterstelle“ sichtet, belässt man seine „Privatfutterstelle“ an der Auswilderungsstelle.
- Kommen Katzen, Füchse, Waschbären, Elstern und Krähen (morgens nach dem Hellwerden), sollte man eine Futterkiste über den Futternapf stellen, z. B. eine Apfelsinen- oder Plastikkiste, in die man ein oder zwei 10 x 10 cm große Igeltore sägt. Dann hat man auch gleich einen Regenschutz.
- Futterreste morgens wegwerfen
- Futterstelle von Hinterlassenschaften reinigen, evtl. für die weiteren Nächte jeweils 4fache frische Zeitung unterlegen
- abends bei Einbruch der Dämmerung neues Futter hinstellen, auch wenn der Igel die ersten Nächte nicht kommt, weil er seinen Freiheitsrausch auslebt. Nach ein paar Nächten hat er so richtig Hunger und erinnert sich an die Futterstelle.
- Wassernapf allmählich in Richtung der (bestimmt in Ihrem Garten vorhandenen) Vogeltränke verschieben, bis man den Igelwassernapf weglassen kann.
- Lesen Sie zur Einrichtung von Futterstellen auch den Text zu Frage Nr. 13.
Procedere der Auswilderung:
Ein Igel wird unbedingt abends ausgewildert. Bis dahin bleibt er in seiner gewohnten Pflegebox, oder er wird, wenn Sie ihn von mir zum Auswildern bekommen haben, tagsüber in dem Auswilderungskarton gelassen und an einem kühlen, ruhigen Ort abgestellt (Treppenhaus, Windfang, Garage, Keller).
In der späten Abenddämmerung, wenn es nahezu dunkel ist, stellt man entweder den Igel in seinem bisherigen Schlafhaus oder im Auswilderungskarton unter ein Gebüsch. In beiden Fällen Futter- und Wassernapf neben den Eingang des Schlafhauses stellen.
Bei einem Auswilderungskarton den Klebestreifen von dem eingeschnittenen Tor entfernen, Tor aufklappen — und es dem Igel selbst überlassen, wann er sich in die Freiheit wagt (30 Sekunden bis 3 Stunden, alles ist möglich). Den Karton am nächsten Tag wegnehmen bzw. das Papphaus wegwerfen – der Igel geht i. d. R. nicht wieder hinein und soll dies auch nicht.
Foto: Maria Kellner
Beenden der Fütterung
Frisches Wasser bieten Sie bitte bis zum nächsten Winter durchgängig an.
Die Futterstelle sollte auf jeden Fall bis Mitte Mai bzw. nach Auswilderung noch 10 Tage lang beschickt werden.
Während der immer häufigeren, sehr heißen und trockenen Perioden des Sommers sind natürliche Beutetiere für die Igel kaum zu finden. Die Igel, gerade auch die trächtigen Weibchen, leiden dann Hunger und magern ab. Es wäre hilfreich für die bedrohte Tierart, auch in solchen kritischen Phasen eine Igelfutterstelle einzurichten und ganz besonders die Wasserstellen des Gartens täglich zu reinigen und neu zu befüllen (abends).
Ab Anfang September sollte man wieder anfangen, jeden Abend zu füttern, damit die Jungigel und die vom Säugen ausgezehrten Weibchen nicht untergewichtig in den Winterschlaf gehen müssen bzw. im November menschliche Hilfe brauchen.
