18. Ich beobachte einen Igel, der sich auffallend oft kratzt. Woran kann das liegen, und was sollte ich dagegen tun?
Oktober 7, 202620. Wie bringe ich einen hilfsbedürftigen Igel unter, was füttere ich, und was muss ich sonst noch beachten?
Oktober 7, 202619. Wie befreie ich einen Igel von Flöhen, Zecken und Milben?
Flöhe
Leider haben schätzungsweise 80% aller Igel einen Befall mit dem Igelfloh. Igelflöhe sind braune, 2,5 bis 4 mm lange Insekten, die in erheblicher Anzahl zwischen den Stacheln und Haaren des Igels ihr Unwesen treiben. Ohne triftigen Anlass springen sie nicht vom Igel ab (warum sollten sie...). Wenn man den Igel aber untersucht und dabei anfassen muss, krabbeln oder springen einige Flöhe auf den Menschen. Sie beißen uns nur einige wenige Male, um zu merken, dass wir ihnen nicht schmecken. Diese einmaligen Bisse jucken allerdings extrem. Ob der Igelfloh Hund und Katze dauerhaft besiedelt, ist umstritten; man hört und liest Unterschiedliches dazu. Jedenfalls will man sie in deren Fell genauso wenig beherbergen wie in einer Igelpflegestelle.
Man kann im Handel verschiedene Sprays gegen Flöhe kaufen. Bitte verwenden Sie niemals Flohpuder – die Igel bekommen ihn in die Atemwege, außerdem bleiben Puderrückstände als Nährboden für Pilzbefall zwischen den Stacheln auf der Haut zurück.
Wirklich wirksam sind nur Permethrin- Biomo-0,5%-Lösung und Frontline-Spray. Beides erhalten Sie in online-Shops und in der Menschen-Apotheke.
Permethrin-biomo 0,5%ig
Füllen Sie die Lösung aus der Original-Glasflasche in eine leere, ausgespülte Pumpspray-Flasche (Deo, Haarspray, Glasreiniger) um, evtl. mit Vernebler.
Wenn Sie Igel unter 300 g damit behandeln wollen, verdünnen Sie die Originalflüssigkeit 1:1 mit Wasser. Sprühen Sie von der verdünnten Flüssigkeit, je nach Größe des Igels, 1 bis 3 Pumpstöße aus ca. 15 cm Entfernung auf den Rücken des Igels. Am besten ein kleines Handtuch über den Kopf des Igels legen, während Sie sprühen. Der Igel sollte das Spray nicht einatmen und nicht in die Augen bekommen.
Für Igel über 300 g können Sie das Permethrin-Biomo-0,5% unverdünnt nehmen. Davon sprühen Sie, je nach Größe des Igels, 2 bis 4 Pumpstöße. In jedem Behandlungsfall sparen Sie Kopf, Bauch und Beine beim Besprühen aus (Handtuch über Igelkopf, s.o.). Nach dem Besprühen setzen Sie den Igel ohne Knüllpapier in sein Schlafhaus, evtl. mit lauwarmer Wärmflasche oder Kleintier-Wärmepad.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Permethrin ist für Katzen hochgiftig.

Frontline-Spray
Sie kaufen beim Tierarzt, in der Menschen- oder in der online-Apotheke eine 100-ml-Flasche Frontline-Spray.
Achten Sie darauf, auf keinen Fall die Frontline-Spot-on-Variante zu kaufen, sondern unbedingt nur das ganz normale Spray. (Spot-on-Tropfen sind für Hund und Katze vordosiert. Bei dem Versuch, einen solchen Tropfen für Igel zu teilen oder zu reduzieren, ist die Dosierung viel zu ungenau und damit wirklich gefährlich!)
Sie sprühen auch Frontline bitte nur auf das Stachelkleid, im Abstand von ca. 15 cm und bei Abdeckung des Igelkopfes mit einem kleinen Handtuch:
Jungigel unter 250 g: 1 Pumpspray-Stoß,
Jungigel von 250 g bis 500 g: 2 Pumpspray-Stöße ,
Jungigel über 500 g: 2 bis 3 Pumpspray-Stöße,
Igel über 800 g: 5 Pumspray-Stöße.
Sparen Sie Kopf, Bauch und Beine dabei aus. Am besten legen Sie ein kleines Handtuch über den Kopf des Igels, während Sie sprühen. Der Igel sollte das Spray nicht einatmen und nicht in die Augen bekommen. Die Flöhe werden danach zwar ins Gesicht des Igels flüchten oder springen vom Igel ab, haben das Mittel aber schon abbekommen und überleben das nicht. Einen Igel in häuslicher Pflege lassen Sie nicht sofort wieder ins Schlafhaus gehen, sondern lassen Sie ihn eine Viertelstunde ohne Verkriechmöglichkeit in der Box herumlaufen, damit die Alkoholdämpfe verfliegen. Oder Sie legen für ein paar Stunden den Deckel des Schlafhauses beiseite und tun nur wenig Knüllpapier hinein.
Im Bedarfsfall wiederholen Sie die Prozedur drei Tage später.

Bei geschwächten Igeln oder Jungigeln unter 200 g ist von der Entflohung durch Spray abzuraten. In diesem Falle nehmen Sie lieber in Kauf, dass sie noch einige Tage ihre Flöhe behalten, oder sammeln Sie sie mit einer Pinzette einzeln ab. Flöhe gleich in Wasser legen, da kommen sie nicht wieder raus. Zerdrücken (knacken) kann man sie nur mit dem Fingernagel auf einer harten Oberfläche.
Bitte einen aufgenommenen Igel nicht wegen Flohbefalls baden! Baden bedeutet immer einen erheblichen Stress für einen Igel und könnte, wenn er sowieso schon geschwächt, nicht ganz warm oder krank ist, ein Kreislaufversagen zur Folge haben.
Zecken
sterben leider nur dann durch Frontline-Spray ab, wenn es sich um die bis zu 1,5 mm großen Zecken-Nymphen handelt, ein noch nicht fortpflanzungsfähiges Entwicklungsstadium. Liegt nicht gerade ein Massenbefall (100 und mehr Zecken) vor, der auf eine Schwächung des Immunsystems durch eine Erkrankung schließen lässt, entfernt man Zecken am besten mit einer Zeckenzange oder einer gut greifenden Pinzette. Mit beiden Geräten greift man die Zecke direkt oberhalb der Igelhaut. Mit der Zeckenzange dreht man die Zecke vorsichtig, bis sie sich gelöst hat. Mit der Pinzette fasst man die Zecke so, dass die Greifer der Pinzette auf Bauch und Rücken der Zecke zu liegen kommen, und zieht die Zecke mit einem schnellen Impuls (sanfter Ruck) senkrecht zur Igelhaut heraus. Zecken dürfen nicht mit Öl oder Klebstoff betropft werden, wie es in früheren Zeiten oftmals propagiert wurde, denn in dem Moment entleeren sie über die Mundwerkzeuge ihren keimverseuchten Inhalt in die Haut des Igels.
Vorsicht, Zecken nicht mit den Zitzen verwechseln! Und auch die Männchen haben kleine Zitzen, so wie Menschenmänner ja auch Brustwarzen haben. Noch nicht vollgesogene Zecken übersieht man zunächst oft. Deshalb einen Pflegeigel nach ein paar Tagen nochmals absuchen.
Igel verkraften das piekende manuelle Entfernen von Zecken, das sie ja überhaupt nicht verstehen und einordnen können, nicht allzu lange: Es besteht die Gefahr, dass sie sich erbrechen, schreien oder in einen Schockzustand geraten, wenn man sie länger als 20 Minuten am Stück mit der Zeckenentfernung malträtiert.
Die Zecken bitte nicht ins Abwasser spülen, da sie dort weiterleben und sich mit Hilfe des schon abgezapften Igelblutes vermehren. Halbwegs nicht-eklige Entsorgungsmöglichkeiten sind, die Zecken in ein kleines Glas mit Brennspiritus oder in das flüssige Wachs eines brennenden Teelichts zu werfen.
Bei Zeckenmassenbefall (100 Zecken und mehr) gehen zu einem igelkundigen Tierarzt oder in eine Igelstation: Dort kann nach einer zugrundeliegenden Erkrankung gesucht werden, die die Zecken angezogen hat.
Man kann in einem solchen Fall
- den Igel gegen die Zecken mit einer 1:30-Lösung von Dectomax mit Sesamöl/Ballistol-Animal betropfen,
- in Sebacil baden (1 ml Sebacil auf 1 Liter Wasser) oder
- Stronghold-15-mg verwenden. Letzteres ist ein Spot-on-Präparat, geeignet nur für größere, halbwegs stabile Igel, das sehr genau dosiert werden muss, nämlich 0,25 ml / 1 kg Körpergewicht. Man nimmt das Gebinde mit rosa Tubenkappe, füllt es in eine 1-ml-Spritze mit Spardorn um und tropft nicht mehr als die akribisch ausgerechnete Menge zwischen den Stacheln direkt auf die Haut.

Dieser Igel wog mit seinen Zecken 318 g und eine Viertelstunde später nach der Zeckenentfernung mit der Pinzette 307 g.


Zeckennymphen auf der Stirn des Igels

Zecken beißen sich bevorzugt in und hinter den Ohren und im Bereich des Afters und Schwänzchens des Igels fest, aber auch zwischen den Stacheln sollte man systematisch suchen.


beide Hinterfüße in eine Hand nehmen, um mit der anderen Hand Zecken unter dem Igelbauch zu entfernen!
Milben
Ein Milbenbefall nicht leicht zu diagnostizieren und manchmal schwierig von einer Hautpilzerkrankung zu unterscheiden, zumal es verschiedene Arten von Milben gibt. Auf Igeln findet man: Nagemilben auf der Haut, Grabmilben in Bohrgängen unter der Haut und/oder Haarbalgmilben in den mit Fell bedeckten Körperpartien. Ein Milbenbefall erzeugt einen hellgrau-weißlichen, schuppigen Belag an den betroffenen Stellen, der oft zu Haar- bzw. Stachelausfall und entzündeten Sekundärinfektionen führt. Am häufigsten sind die Ohren, der Nasenrücken und die Partie der Stirnstacheln betroffen. Am besten geht man zum Tierarzt, der ein Hautgeschabsel unters Mikroskop legt und die Milben dann sieht. Es stehen sodann einige Präparate zur Verfügung:
- eine 1:30-Lösung von Dectomax mit Sesamöl/Ballistol-Animal, mit denen der Igel eingesprüht werden kann.
- Stabile Igel kann man auch in Sebacil-Lösung (1 ml auf 1000 ml warmes Wasser) baden,
- ein weiteres wirksames Medikament wäre das Spot-on-Präparat Stronghold, das aber sehr genau dosiert werden muss (nur das Stronghold mit rosa Tubenkappe verwenden, das eine Konzentration von 15 mg pro ml hat, davon 0,25 ml pro 1 kg Igelkörpergewicht, nicht für Igel unter 300 g)
- oder 2 Bäder im Abstand von 8 Tagen in Sebacil (1 ml auf 1 l Wasser, 5-10 Minuten baden) bekommen.
Die genannten Medikamente gibt es nur beim Tierarzt.

Grabmilben mit bakterieller Sekundärinfektion (Abszesse). Foto: Thomas Schuhmann

Milbenbefall im Igelgesicht. Foto: Christian Tomschitz
Gehen Sie bitte nicht zu einem beliebigen Tierarzt. Zu viele Tierärzte kennen sich mit Igeln nicht gut aus, weil der Igel im Tierarztstudium fast gar nicht vorkommt, und geben in guter Absicht falsche oder dem Zustand und Alter des Tieres nicht angemessene Medikamente. (Auf keinen Fall dürfen Ivomec oder Advocate oder irgendein anderes Spot-On-Präparat bei Igeln verwendet werden. Sie sind für Hunde und Katzen entwickelt und lassen sich nicht einfach per Dreisatz auf das Gewicht des Igels umrechnen, denn der Igel verstoffwechselt ganz anders als andere Tiergattungen.)
Bitte weisen Sie den konsultierten Tierarzt darauf hin, dass alle in diesem Text beschriebenen Behandlungsvorschläge den Angaben Im Buch "Igel in der Tierarztpraxis” des deutschen Dachverbandes Pro Igel e.V. entsprechen, das von der Tierärztlichen Hochschule Hannover mitentwickelt wurde und dessen Lektüre jedem Tierarzt dringend zu empfehlen ist. Denn der Igel wird ja leider im Tiermedizin-Studium nicht detailliert behandelt.
P.S.:
Läuse kommen bei Igeln nicht vor!
Zecken krabbeln manchmal auf dem Igel herum, weil sie noch nicht zum Zubeißen gekommen sind. Sie würden auch auf den Menschen umsteigen, also darauf achten.
Milben wären nur bei längerem engen Hautkontakt zum Umsteigen auf den Menschen in der Lage. Diesen sollte man vermeiden (Handschuhe).
Wichtiger Sicherheitshinweis: Permethrin ist für Katzen hochgiftig.

Nach der Zeckenentfernung. Der Belag auf den Stacheln im Vordergrund ist Schmutz, kein Milbenbefall.
