04. Es ist Juli, August oder September, und ich habe einen Igel gefunden, der hilfsbedürftig zu sein scheint. Ich meine, es ist ein Weibchen. Was soll ich tun?
Oktober 6, 202606. Ich habe Anfang Oktober Jungigel unter 200 g gefunden. Oder: Mitte Oktober Jungigel unter 300 g gefunden. Oder: Ende Oktober Jungigel unter 400 g gefunden. Oder: Im November Jungigel unter 500 g gefunden. Was soll ich tun? (Vergleiche auch mit Frage 14)
Oktober 6, 202605. In meinem Garten beobachte und füttere ich seit einigen Tagen einen oder mehrere Jungigel, die noch sehr klein sind.
Wann muss ich mir Sorgen machen und mehr tun als draußen zu füttern?
Aufnahme in häusliche Pflege
Man kann eine genügend große Gewichtszunahme vorm Winterschlaf nur erreichen, wenn solche Jungigel in häusliche Obhut genommen werden und dort richtig warm stehen, bei Wohnraumtemperatur von mindestens 22 Grad rund um die Uhr, auch und gerade am Boden der Igelkiste (dort mal messen!). Balkon, Gartenhaus, Garage und die meisten Keller sind zu kalt.Bringen Sie den oder die Igel entsprechend den Anleitungen im Text zu Frage Nr. 20 unter. Bitte füttern Sie pro Nacht pro Igelkind ca. 100 g mit der Gabel püriertes Katzendosenfutter (am besten funktionieren „Animonda Baby-Kitten pathé“ oder „Gourmet feine Pastete Geschmacksrichtung Rind", 85g-Döschen, gibt's z. B. bei Rossmann, Real oder Edeka oder einschlägigen Tierfuttergeschäften). Mit der Gabel zerdrücken und evtl. etwas Wasser untermischen, so dass ein weicher, aber nicht flüssiger Brei entsteht.
Die Größe des Schlafhauses sowie die Futtermenge werden der Größe der Igel entsprechend gesteigert. Man gibt so viel zu fressen, wie sie nur irgend fressen. Auch tagsüber, nicht nur abends. Wenn die Kleinen etwa 300 g wiegen, bringt man alle Igel getrennt voneinander unter und beginnt die Entwurmung.
Heutzutage hat nämlich nahezu jeder Igel, auch die Kleinen, Innenparasiten. Jeder Jungigel und gegebenenfalls auch die Igelmutter sollte entwurmt werden, sonst sind die Chancen für eine gesunde Zukunft nicht gut. Ich bitte ich Sie, sich wegen der Entwurmung per Email mit mir in Verbindung zu setzen.
Leider treten oft schon vor dem Erreichen der 300 g Komplikationen ein, denen ein mit der Igelpflege noch nicht vertrauter Mensch hilflos gegenübersteht: Sollte eines der Tiere oder gar alle nicht (mehr) fressen und/oder grünen oder schleimigen oder dünnflüssigen Kot absetzen, mailen Sie mich sofort an, nicht erst abwarten. Ohne baldige medizinische Behandlung wird es dann nicht gehen.

Jungigel, etwa 120 g, leider allein unterwegs. Foto: Kerstin Fickel
Medizinische Behandlung / Entwurmung
Wenn Sie mit mir einen Termin vereinbaren, zu mir kommen und mir den Igel vorstellen, würde ich die Behandlung des Tieres stationär oder ambulant übernehmen - je nachdem, ob meine kleine Igel-Intensivpflegestation schon überfüllt ist oder nicht und wie schwer Ihr Igel krank ist. Bei ambulanter Behandlung würde ich Ihnen in engmaschigem Austausch mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wenn Sie so weit entfernt wohnen, dass eine Vorstellung des Igels bei mir nicht in Frage kommt, kann ich Sie per Email während der Behandlung durch einen Tierarzt in Ihrer Nähe beraten. Oder Sie suchen anhand meiner Links unter Frage Nr. 30 nach einer Igelstation in Ihrer Nähe.
Gehen Sie bitte, wenn es Probleme durch Innenparasiten oder Darmentzündungen gibt, lieber nicht zum Tierarzt. Zu viele Tierärzte kennen sich mit Igeln nicht gut aus, weil der Igel im Tierarztstudium fast gar nicht vorkommt, und geben in guter Absicht falsche oder dem Zustand und Alter des Tieres nicht angemessene Medikamente.
(Auf keinen Fall dürfen Ivomec oder Advocate oder irgendein anderes Spot-On-Präparat bei Igeln verwendet werden. Sie wurden für Hunde und Katzen entwickelt und lassen sich nicht einfach per Dreisatz auf das Gewicht des Igels umrechnen, denn der Igel verstoffwechselt ganz anders als andere Tiergattungen.)
Während der oder die Igel in häuslicher Pflege ist/sind, können Sie im Garten, so Sie einen Garten haben, ein oder mehrere mit trockenen Blättern gefüllte Holzschlafhäuschen mit großen Laubhaufen drumherum vorbereiten (siehe Text 16 unter diesem Menüpunkt und Text „Igelfreundschaft im Garten” unter Menüpunkt „Allgemeine Informationen”). Eine solche Vorbereitung ist auch sonst nicht schlecht. Ein Winterschlafhaus im Garten sollte keinen Fußboden haben, da sich die Igel gern eine kleine Mulde scharren. Und es muss unbedingt aus atmungsaktivem Material sein, damit der Igel nicht im März vom Kondensat seiner Atemluft klitschnass ist. Und: Je naturbelassener, d.h. unaufgeräumter der Garten ist, umso besser für die Igel.
Wenn Jungigel unter 150 g Körpergewicht ganz allein unterwegs sind…
…müssen sie sofort eingefangen werden, denn ohne die Wärme und die Milch der Mutter sind so kleine Igel draußen verloren. Wenn Sie erst nur ein solches Igelkind gefunden haben, suchen Sie bitte mehrmals und zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten die Umgebung des Fundortes nach eventuellen Geschwistern ab und achten Sie dabei darauf, ob Sie das Muttertier nicht doch antreffen und ob das Muttertier gesund und unverletzt aussieht.
Herbstliche Nachttemperaturen unter 13° sind bereits zu kühl, als dass so kleine Jungigel ohne Muttertier eine genügend große Gewichtszuwachsrate schaffen könnten - die reingefütterten Kalorien werden zum großen Teil zur Aufrechterhaltung der Körperwärme verbraucht.

Hier ist die Igelmutter in der Nähe.
Wenn Jungigel unter 150 g Körpergewicht mit der Igelmutter unterwegs sind,
wenn es ein milder und warmer Oktober ist und
wenn die kleinen Jungigel rund und nicht spitzmausartig aussehen und keine eingefallenen Flanken haben,
kann man bis Mitte Oktober beobachten, ob sie draußen - natürlich mit bestmöglich beschickter Futterstelle, ohne Futterstelle wird dies nicht klappen - genügend zunehmen, so dass sie in die Soll-Gewichte hineinwachsen. Trifft auch nur einer dieser Faktoren nicht zu, sollten die Kleinen und die Igelmutter aufgenommen werden. Wenn die Igelin gesund und kräftig ist, säugt sie den Nachwuchs nämlich noch, und wenn sie nicht in Ordnung ist, sollte man sie von den Igelkindern befreien und ihr fachkundig helfen.
Jungigel im Garten, die man draußen lassen möchte, sollten
Mitte Oktober mindestens 350g,
Ende Oktober mindestens 500 g,
Anfang November mindestens 650 g und
Mitte/Ende November mindestens 700 bis 750 g wiegen.


gut proportionierter Jungigel à 350 g, so groß wie eine große Birne

gut proportionierter Jungigel, 430 g, so groß wie eine Mango
Wiegen
Ist eine Digitalwaage zur Hand, wiegen Sie die Igel, um die Sie sich Gedanken machen. Ihre digitale Küchenwaage können Sie durch einen darübergezogenen Plastikbeutel und ein Mitwiegen einer für die Igel reservierten alten Schüssel hygienisch schützen. Im Vergleich zu dicken Alttieren erscheinen die Jungigel oft entsetzlich klein, und auf der Waage zeigt sich dann doch schon ein beruhigendes Gewicht.
Nach dem Wiegen können Sie jedes Igelchen an einer anderen Stelle mit je einem kleinen Punkt Farbe, z. B. Tippex oder (Nagel-)Lack auf den Stacheln markieren. Schreiben Sie sich die Gewichte und die zugehörige Punktstelle in einer kleinen Liste auf (z.B. gelb vorne links 356 g, rot hinten rechts 410 g ...) und wiegen Sie in ein paar Tagen wieder, um zu sehen, ob jedes Tier vernünftig zunimmt. Vernünftig heißt in dem Fall ab 10 g aufwärts pro Nacht, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Außerdem achten Sie rings um die Futterstelle darauf, ob Sie grünen, schleimigen oder dünnflüssigen Kot sehen, denn das deutet auf Innenparasiten und/oder Darmentzündungen hin. Wenn Sie so etwas finden, lesen Sie den Text zu Frage Nr. 15.
