05. In meinem Garten beobachte und füttere ich seit einigen Tagen einen oder mehrere Jungigel, die noch sehr klein sind. Wann muss ich mir Sorgen machen und mehr tun, als draußen zu füttern?
Oktober 6, 202607. Es ist Dezember, und ich habe einen draußen herumlaufenden Igel gefunden. Was soll ich tun?
Oktober 6, 202606. Ich habe
Anfang Oktober Jungigel unter 200 g gefunden. Oder:
Mitte Oktober Jungigel unter 300 g gefunden. Oder:
Ende Oktober Jungigel unter 400 g gefunden. Oder:
Mitte November Jungigel unter 500 g gefunden.
Was soll ich tun? (Vergleiche auch mit Frage 14)
Zuerst einige Fotos zu Größe und Erscheinung von Jungigeln:

gut proportioniertes Igelkind mit 160 g, so groß wie eine normale Nektarine

gut proportionierter Jungigel à 350 g, so groß wie eine große Birne

gut proportionierter Jungigel, 430 g, so groß wie eine Mango

Untergewichtiges Igelkind, 75 g, der Entwicklung nach müsste es das Doppelte wiegen.

Krankes, untergewichtiges Igelkind, 190 g

stark untergewichtiger Jungigel: 170 g und so lang wie eine Mango
Jungigeln mit den in der Überschrift genannten Gewichten gelingt es draußen meistens nicht, bis zum Beginn des Winterschlafs zu Ende November/Anfang Dezember ausreichende Fettreserven anzulegen, um bis zum Frühjahr durchzuhalten. Entweder sie irren noch im Dezember herum und werden dann noch dünner, weil sie nichts mehr zu fressen finden. Oder sie gehen untergewichtig in den Winterschlaf und wachen nicht mehr wieder auf…
Wiegen ist die mit Abstand sicherste Methode, um Klarheit über Hilfsbedürftigkeit oder Nicht-Hilfsbedürftigkeit zu gewinnen. Gehen Sie nur dann nach Augenmaß vor, wenn Sie keine Digitalwaage besitzen oder die Igel anderswo als in Ihrer Wohnumgebung gefunden haben. Ist eine Digitalwaage zur Hand, wiegen Sie die Igel, um die Sie sich Gedanken machen. Ihre digitale Küchenwaage können Sie durch einen darübergezogenen Plastikbeutel und ein Mitwiegen einer für die Igel reservierten alten Schüssel hygienisch schützen. Im Vergleich zu dicken Alttieren erscheinen die Jungigel oft erschreckend klein, doch auf der Waage zeigt sich dann doch schon ein beruhigendes Gewicht.
Einen Jungigel, den man mit einem niedrigeren Gewicht gefunden hat, sollte man sofort ins Haus aufnehmen und nicht erst versuchen, ob er im Garten mit Hilfe einer Futterstelle vielleicht noch rechtzeitig dick genug wird. Es ist nämlich im Oktober meistens nachts schon zu kühl, als dass Jungigel eine genügend große Gewichtszuwachsrate schaffen könnten - die reingefütterten Kalorien werden zum großen Teil zur Aufrechterhaltung der Körperwärme verbraucht. Man kann untergewichtige Jungigel in häuslicher Pflege im Warmen binnen zwei bis drei Wochen parallel zu einer Entwurmung auf das erforderliche Winterschlafgewicht hochfüttern und, wenn man mit dem Wetter Glück hat und es noch keinen Frosteinbruch gibt, vor dem Winter noch wieder in die Natur entlassen. Wartet man mit dem Hereinholen zu lange, kann man sie vor dem Winterschlaf nicht mehr wieder auswildern, weil es dann schon zu kalt dazu ist. Dann muss man die Tiere in einer Pflegebox in Gartenhaus oder Garage Winterschlaf halten lassen und hat sie bis Anfang Mai in Obhut, was vermeidbar gewesen wäre, wenn man sie im Herbst frühzeitig in häusliche Pflege genommen hätte.
Seit ein paar Jahren kommt es wegen der zunehmenden Wärme im Spätsommer und Herbst vermehrt zu einer zweiten Trächtigkeit der Igelinnen und dann zu Zweitwürfen im fortgeschrittenen Herbst. Die Spätgeborenen irren dann oft im Dezember mit Gewichten um die 200 g herum. Für diese Tierchen gilt die folgende Anleitung selbstverständlich auch, allerdings kann man sie ganz sicher vor dem Winterschlaf nicht mehr auswildern!
Die Aufnahme in häusliche Pflege
Die Box eines Pflegeigels während der Päppelphase muss bei mindestens 22° Zimmertemperatur stehen, auf gar keinen Fall auf Balkon, Terrasse oder im Gartenhaus!!! Bringen Sie den Igel gemäß der Anleitung in Text 20 unter. Bitte füttern Sie pro 24 Std. ca. 100 bis 150 g mit der Gabel püriertes Katzendosenfutter, das Sie mit einem halben Tl. Speiseöl und evtl. etwas Wasser vermischen, so dass ein weicher, aber nicht flüssiger Brei entsteht. Für Jungigel über 250 g sollte auch Igeltrockenfutter gekauft, und mit Mörser oder elektrischer Mühle zerkleinert und unter das Katzendosenfutter gemischt werden. Darin sind igelspezifische Vitamine und Spurenelemente enthalten. Man gibt dem Igel so viel zu fressen, wie er nur irgend frisst — auch tagsüber, nicht nur abends. Zu trinken geben Sie ihm bitte ein flaches Schälchen mit Wasser, auf keinen Fall Milch.
Leider kann es gut sein, dass das Hochpäppeln des Igels nicht so reibungslos abläuft, wie man zunächst denken könnte. Heutzutage haben fast alle Igel Innenparasiten, und geschwächte Igel werden damit nicht ohne Medikamente fertig. Wenn durch die Wärme und das endlich ausreichende Futterangebot nach der Aufnahme der Stoffwechsel richtig in Schwung gekommen ist, werden auch die Beschwerden durch Innenparasiten heftiger.
Folgende Komplikationen sind an der Tagesordnung:
- Der Igel frisst nicht mehr.
- Der Igel frisst zwar, nimmt aber weniger als 10 g pro Nacht zu.
- Der Igel setzt grünen, schleimigen, und/oder dünnflüssigen Kot ab, womöglich mit Blutspuren.
In letzterem Fall ist eine sofortige medizinische Behandlung notwendig. In den anderen Fällen muss zeitnah mit der Entwurmung begonnen werden.
Entwurmung
Gehen Sie bitte, wenn es Probleme durch Innenparasiten geben sollte, nicht ohne den Rat einer Igelstation oder einen Ausdruck meines Beitrags zur Entwurmung (unter Frage Nr. 21) zu einem beliebigen Tierarzt. Zu viele Tierärzte kennen sich mit Igeln nicht gut aus, weil der Igel im Tierarztstudium fast gar nicht vorkommt, und geben in guter Absicht falsche oder dem Zustand und Alter des Tieres nicht angemessene Medikamente. (Auf keinen Fall dürfen Ivomec oder Advocate oder irgendein anderes Spot-On-Präparat bei Igeln verwendet werden. Sie sind für Hunde und Katzen entwickelt und lassen sich nicht einfach per Dreisatz auf das Gewicht des Igels umrechnen, denn der Igel verstoffwechselt ganz anders als andere Tiergattungen.)
Wenn Sie mit mir per Email einen Termin vereinbaren, zu mir kommen und mir den Igel vorstellen, würde ich die Behandlung des Tieres dann stationär oder ambulant übernehmen - je nachdem, ob meine kleine Igel-Intensivpflegestation schon überfüllt ist oder nicht und wie schwer Ihr Igel eventuell krank ist. Bei ambulanter Behandlung würde ich Ihnen in engmaschigem Austausch mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wenn Sie so weit entfernt wohnen, dass eine Vorstellung des Igels bei mir nicht in Frage kommt, kann ich Sie per Email während der Behandlung durch einen Tierarzt in Ihrer Nähe beraten. Oder Sie suchen anhand meiner Links unter Frage Nr. 30 nach einer Igelstation in Ihrer Nähe.
Auswilderung im Herbst
Wenn Sie mit dem Igel und mit dem Wetter Glück haben, könnte es sein, dass Sie ihn noch so groß bekommen, dass Sie ihn noch vor dem Winterschlaf wieder auswildern können. In den online-14-Tage-Wetter-Prognosen sollten dann keine Nachttemperaturen unter 7° angegeben sein.
Naturnahes Nest für den Igel im Garten einrichten: mit Stroh oder Blättern gefülltes Holz-Igelhaus, Stein-Igelhöhle, angelehntes Brett mit Stroh dahinter oder Ähnliches; zusätzlich immer einen mindestens knie- bis hüfthohen Laubhaufen an windgeschützter Stelle zusammenharken, den Sie am besten unter eine Konifere oder ein Gebüsch harken und mit Reisig und kleinem Geäst beschweren: dort stören Sie sich nicht optisch daran, das Laub kann nicht verweht werden, und der Igel kann darin ein Winterschlafnest bauen. Er wird hineinkriechen und sich drinnen immer im Kreis drehen, so dass die Blätter schließlich dachziegelartig geschichtet um ihn herum liegen, wasserfest und wärmedämmend.
Igelhäuser für den Garten aus Holz lassen sich mit etwas Geschick selber bauen, am besten aus unbehandeltem Lärchenholz. Andere Materialien als Holz sind meistens nicht genügend atmungsaktiv. Wenn ein Igel den Winterschlaf in einem luftundurchlässigen Schlafhaus verbrächte, wäre er vom Kondensat seiner Atemluft nach kurzer Zeit klitschnass. Igelhäuser im Garten sollten keinen Boden haben, sowohl aus hygienischen Gründen als auch, weil Igel sich gern eine Mulde scharren, in der sie ihr Nest formen. Alle Igelhäuser stellt man im Garten an eine versteckte Stelle und richtet den Eingang zur wetterabgewandten Seite aus. Zuunterst legt man eine Drainageschicht aus kleinen runden Kieseln gemischt mit Spielkastensand. Als Füllung ist trockenes Laub allem anderen vorzuziehen. Wenn dieses im Spätherbst nicht mehr zur Verfügung steht, kann man auch Haferstroh verwenden oder Vivara-Einstreu für Igel im Internet bei www.vivara.de bestellen. Man kann auch noch absolut trockenes Moos und Laub untermischen. Für ein Igelhaus in gängiger Größe braucht man ein bis zwei Tüten von der Vivara-Einstreu, je nachdem, wieviel Moos und Laub man untermischt. Für den Winterschlaf soll ein Igelhaus prall gefüllt sein mit Nistmaterial. Heu bitte nicht verwenden: Es schimmelt schnell und bringt die Gefahr mit sich, dass der Igel, der darin seinen Winterschlaf hält, eine Pilzkrankheit bekommt.
Weitere Hinweise zur Auswilderung im Herbst finden Sie im Text zu Frage Nr. 23.
Winterschlaf in menschlicher Obhut
Wenn der Pflegeigel vor dem Winter nicht mehr in den Garten entlassen werden kann, muss der Igel einen Winterschlaf in Ihrer Obhut in einer Winterschlaf-Box machen, die Sie in Ihr Gartenhaus, in die Garage oder auf einen kalten Dachboden stellen können. Dazu richten Sie sich bitte nach der Anleitung im Text zu Frage Nr. 24 zum Winterschlaf des Igels in menschlicher Obhut.
