12. Ich habe einen Igel mit einer sichtbaren Hauterkrankung, mit stachellosen Stellen und/oder mit Beulen unter der Haut gefunden. Wie kann man feststellen, um was es sich handelt? Was sind die jeweiligen Therapien?
Oktober 6, 202614. Ich habe Anfang Oktober Jungigel über 250 g gefunden. Oder: Mitte Oktober Jungigel über 350 g gefunden. Oder: Ende Oktober Jungigel über 500 g gefunden.Oder: Anfang November Jungigel über 650 g gefunden. Oder: Mitte November Jungigel über 700 g gefunden. Was soll ich tun? (Vergleiche auch mit Frage 06)
Oktober 7, 202613. Was füttert man an der Futterstelle im Garten?
Was muss man sonst beachten, wenn man eine Futterstelle draußen einrichtet?
Wie lange soll man im Spätherbst zufüttern?
Futterzubereitung
Man füttert pro Igel:
- ca. 200 g Katzendosenfutter, mit Kartoffelstampfer oder Gabel zu Brei zerdrücken,
- 2 bis 3 El. Igeltrockenfutter hinzufügen (lose erhältlich in einschlägigen Tierfuttergeschäften, wie „Fressnapf”, „Futterhaus” oder „Miezebello”, abgepackt in Kartons auch in einigen Supermärkten oder Gartencentern, abgepackt ist es meist deutlich teurer. Bitte aufpassen, kein Produkt für exotische Igel zu erwischen, das können unsere Europäischen Braunbrustigel nicht fressen)
- 1 Tl. Speiseöl unterrühren
- etwas Wasser für eine gut fressbare Konsistenz hinzufügen.
Das Ganze zu einem dicken Brei vermischen.
Die Gesamtmenge an die Anzahl der Igel anpassen, so dass morgens noch eine Kleinigkeit übrig ist (wenn die Näpfe morgens absolut blank geleckt sind, war es zu wenig Futter... oder es hat sich noch jemand anders als die Igel bedient).


Besonders Jungigeln im Herbst erleichtert man mit einer Futterstelle das Überleben.
Futterstelle
- an einer geschützten Stelle, z. B. unter Gebüsch einrichten, evtl. mehrlagiges, an den Ecken beschwertes Zeitungspapier unterlegen, das morgens mit allen Hinterlassenschaften weggeworfen wird
- schweren Napf aus Keramik verwenden, damit die Igel den Napf nicht umwerfen
- Futter abends in der späten Dämmerung hinstellen
- Futterreste morgens wegwerfen, Futterstelle von Hinterlassenschaften reinigen
- Wasser trinken die Igel aus der sicherlich im Garten vorhandenen Tier(Vogel-)tränke. Diese möglichst täglich abends säubern und mit frischem Wasser füllen: Vogelmilben und Salmonellen schaden dem Igel.
- Futterstelle spätabends kontrollieren: Kommen Nacht für Nacht mehr Igel, sollte man die Futtermenge erhöhen, denn alle haben es nötig.
- Kommen Katzen, Füchse, Waschbären, Elstern und Krähen (morgens nach dem Hellwerden), sollte man eine Futterkiste drüberstellen, z. B. eine Apfelsinen- oder Plastikkiste, in die man ein oder zwei 10 x 10 cm große Igeltore sägt. Igel gehen hemmungslos in eine solche Box hinein, ungebetene Gäste bleiben draußen. Mit auf die Oberseite aufgetackerter Plastikfolie hat man auch auf einer Apfelsinenkiste gleich einen Regenschutz! Stein auf die Futterkiste legen oder seitlich fixieren, damit sie nicht umgeworfen oder herumgeschoben wird.
- Kommen Ratten, nur füttern, wenn man in der Nähe sitzt und sie verscheuchen kann. Futternapf wegnehmen, wenn man selbst zu Bett geht. Im Handel gibt es Holzfutterhäuser mit schwingend angebrachten Rattenklappen. Diese halten aber Ratten nur bedingt ab. Beim Aufstellen von Rattenfallen unbedingt dafür Sorge tragen, dass Igel sie nicht erreichen können bzw. dass ein Igel nicht längere Zeit in einer Lebendfalle sitzt und dort vielleicht erfriert.
Ratten bringen manche Nachbarn dazu, Rattengift auszulegen, das unter Umständen die ganze Igelpopulation ausrottet. Dann geht der Schuss mit der Futterstelle gewaltig nach hinten los… - Findet sich grüner, schmieriger Igelkot um die Futterstelle herum, diese gründlich reinigen und desinfizieren. Am kommenden Abend versuchen, den „Verursacher“ ausfindig zu machen (evtl. mit einem Stück Küchenpapier über den After wischen, weil von grünem Schmierkot immer ein bisschen am Igel hängenbleibt), zu fangen und aufzunehmen. Hier ist eine Entwurmung nötig, und der Igel sollte nicht seine Artgenossen anstecken. (Siehe hierzu Text zu Frage Nr. 20: „Unterbringung, Futter, med. Behandlung, Auswilderung des Pflegeigels”).

IKEA-Samla-Box mit mehreren hineingesägten Eingängen: 8 x 8 cm Eingangsgröße reicht für jeden Igel

Göpnersches Luxus-Futterhaus mit Acrylglas-Wänden

Göpnersche Konstruktion einer waschbärensicheren Futterstelle I : Auf 2 dünne Holzbretter sind Holzleisten geschraubt.

Göpnersche Konstruktion einer waschbärensicheren Futterstelle II : Auf die Holzbretter zwischen die Leisten werden die Futternäpfe platziert.

Göpnersche Konstruktion einer waschbärensicheren Futterstelle III : Eine flache IKEA-Samla-Box wird zwischen die Leisten abgesenkt. Drei Eingänge für die Igel sind am anderen Ende der Box platziert - für den Waschbären zu weit weg, um nach dem Futter zu angeln.

Göpnersche Konstruktion einer waschbärensicheren Futterstelle IV : Die Entfernung der Igeleingänge bleibt konstant, weil Box und Napfunterlage miteinander verbunden sind. Igel können wegen der durchgängigen Leiste die Näpfe nicht in die Mitte der Abdeckbox schieben.

Göpnersche Konstruktion einer waschbärensicheren Futterstelle V: Zum Schluss werden die Boxen mit dicken Steinen beschwert.
Zeiträume für Futterstellen
- Frisches Wasser durchgängig anbieten.
- Nach Auswilderungen 10 Tage an der Auswilderungsstelle füttern, ansonsten
- Mitte April bis Mitte Mai als Starthilfe nach dem Winterschlaf, und
- Anfang September bis Ende November, damit die Jungigel und die vom Säugen ausgezehrten Weibchen nicht untergewichtig in den Winterschlaf gehen müssen bzw. im November menschliche Hilfe brauchen.
Im Spätherbst sollte eine Futterstelle nicht länger als bis Ende November oder bis zum ersten nennenswerten Frost beschickt werden, oder natürlich, bis mehrere Nächte lang in Folge kein Igel mehr gekommen ist. - Beenden der Zufütterung: Die Auslöser für den Winterschlafbeginn sind ein bisschen differenzierter zu sehen, als einfach nur: „Es wird Winter”.
Ein Igel geht normalerweise in den Winterschlaf aufgrund einer Kombination der Faktoren:- sinkende Nachttemperatur,
- Nahrungsverknappung,
- längere Dauer der Nächte und
- genügend Körpergewicht.
Die erwachsenen Männchen, die nach der Paarung nichts anderes zu tun haben als zu fressen, ziehen sich Anfang Oktober als erste zurück, sobald es ihnen ungemütlich wird. Die Weibchen, die das durch das Säugen entstandene Energiedefizit noch eine Weile ausgleichen müssen, gehen ab Mitte Oktober, oft auch erst im November in den Winterschlaf. Und die Jungigel versuchen - oft „verzweifelt"- so lange es nur geht, etwas auf die Rippen zu bekommen. Sie wissen instinktiv, dass es umso besser fürs Überleben des Winter ist, je dicker man ist.
Wenn man beobachtet, dass ein Jungigel auffällig klein bleibt und man befürchtet, dass er für den Winterschlaf nicht gerüstet ist, muss man ihn einfangen, wiegen und ggf. in häusliche Pflege nehmen gemäß der Anleitung zu Frage Nr. 20.
Anfang Dezember bitte schlagartig aufhören, draußen zu füttern, denn dann muss jeder Igel im Winterschlaf verschwinden, weil sonst die Gefahr zu groß wird, dass er vom Schnee überrascht wird. Dann wird oftmals reflexartig und sehr plötzlich der Beginn des Winterschlafs ausgelöst. Quasi wo er geht und steht, kann ein Igel tatsächlich einfach umfallen und es nicht mehr bis zu seinem Nest schaffen. Wenn niedrige Temperaturen nicht ausreichen, den Igel zum Rückzug in den Winterschlaf zu bewegen, bewirkt ein Einstellen der Fütterung das Nötige - auch wenn es einem auf den ersten Blick grausam erscheint, wenn der Igel nochmal zur Futterstelle kommt und da eines Abends Anfang Dezember, vorzugsweise, wenn der Wetterbericht absinkende Temperaturen voraussagt, nichts mehr zu finden ist.
Wenn immer weitergefüttert wird, gehen Igel eventuell gar nicht in den Winterschlaf. Jeder Igelstationsbetreiber kennt die Hilferufe um Weihnachten herum oder sogar im Januar beim ersten Schnee, dass „die armen Igel an der Futterstelle kalte Füße haben!” …— Mit dem Zufüttern soll man den natürlichen Ablauf sinnvoll stützen, ihn aber nicht auf den Kopf stellen!

Auf die Schnelle oder für ein Foto geht's auch mal so! Foto: Kerstin Hinze
