22. In welchem Fall muss ich meinem Pflegeigel die Krallen kürzen? Wie macht man das?
Oktober 7, 202624. Wie lässt man den Pflegeigel einen Winterschlaf in menschlicher Obhut machen?
Oktober 7, 202623. Was ist bei der Igel-Auswilderung im Herbst zu beachten?
Igel-Gewicht
Wenn Sie einen Jungigel, der im Warmen hochgepäppelt wurde, auswildern wollen, so sollte er Anfang Oktober 450 g wiegen, Mitte Oktober 500 g, Ende Oktober 600 g. Im November wären 700 - 800 g ideal. Altigel sollten nicht mit Gewichten unter 1000 g (Weibchen) bzw. 1100 g (Männchen) in die Natur entlassen werden.
Niedrige Gewichte, die an verschiedenen Stellen als Überlebensminimalgewichte angegeben werden („ein Jungigel muss vor dem Winterschlaf 500 g wiegen“…), beziehen sich auf Igel, die diese Gewichte aus eigener Kraft bzw. mit Zufütterung in der Natur erreicht haben. Und selbst dann ist das das kritische Mindestgewicht. Ein gepäppelter und ausgewilderter Igel wird erfahrungsgemäß nach dem Auswildern erstmal erheblich abnehmen, weil die geringere Umgebungstemperatur und die Bewegung ungewohnt sind und weil er oftmals ein paar Nächte seine Freiheit auslebt, statt (s)eine Futterstelle zu suchen. Leider muss man auch immer einkalkulieren, dass sie ganz weglaufen und dann bis zum Winterschlaf keine Futterstelle mehr haben. Ein bisschen Reservegewicht ist da unabdingbar.
Wetter
In den online-14-Tage-Wetter-Prognosen sollen für mindestens eine Woche nach Auswilderung keine Nachttemperaturen unter 7° angegeben werden. Dies ist normalerweise nur noch im November der Fall.
Außerdem wildert man nicht aus, wenn es in der Nacht der geplanten Auswilderung anhaltend regnen soll. Das könnte den Igel dazu bringen, das Schlafhaus gar nicht zu verlassen. Igel mögen weder Regen noch starken Wind.
Garten-Infrastruktur für Igel
Jungigel sollten Sie nur im eigenen Garten oder bei Freunden mit Garten auswildern: Jedenfalls ist die vorübergehende Einrichtung einer Futterstelle unverzichtbar. Zur Eignung eines Gartens lesen Sie bitte unter "Allgemeine Informationen" den Beitrag "Igelfreundschaft im Garten".
Ältere Igel sollte man nur bei zwingenden Gründen umsiedeln. Diese sollte man bei guter Verfassung des Tieres am Fundort auswildern, notfalls auch ohne Futterstelle, sofern der Fundort ein halbwegs akzeptables Igelbiotop darstellt.
In beiden Fällen, Jung- oder Altigel, wäre es hilfreich, wenn im Garten ein mit trockenen Blättern oder Haferstroh (ohne Grannen) gefülltes Holzschlafhaus mit großen Laubhaufen drumherum vorbereitet ist.
Igelhäuser für den Garten aus Holz lassen sich mit etwas Geschick selber bauen, am besten aus unbehandeltem Lärchenholz. Andere Materialien als Holz sind meistens nicht genügend atmungsaktiv. Wenn ein Igel den Winterschlaf in einem luftundurchlässigen Schlafhaus verbrächte, wäre er vom Kondensat seiner Atemluft nach kurzer Zeit klitschnass. Igelhäuser im Garten sollten keinen Boden haben, sowohl aus hygienischen Gründen als auch, weil Igel sich gern eine Mulde scharren, in der sie ihr Nest formen. Alle Igelhäuser stellt man im Garten an eine versteckte Stelle und richtet den Eingang zur wetterabgewandten Seite aus. Zuunterst legt man eine Drainageschicht aus kleinen runden Kieseln gemischt mit Spielkastensand. Als Füllung ist trockenes Laub allem anderen vorzuziehen. Wenn dieses im Spätherbst nicht mehr zur Verfügung steht, kann man auch Haferstroh verwenden oder Vivara-Einstreu für Igel im Internet bei www.vivara.de bestellen. Man kann auch noch absolut trockenes Moos und Laub untermischen. Für ein Igelhaus in gängiger Größe braucht man eine halbe bis eine Tüte von der Vivara-Einstreu, je nachdem, wieviel Moos und Laub man untermischt. Für den Winterschlaf soll ein Igelhaus prall gefüllt sein mit Nistmaterial. Pures Heu bitte nicht verwenden: Es schimmelt schnell und bringt die Gefahr mit sich, dass der Igel, der darin seinen Winterschlaf hält, eine Pilzkrankheit bekommt.
Auch eine Stein-Igelhöhle, ein hohler Baumstumpf, angelehntes Brett mit Stroh dahinter oder Ähnliches sind gute Möglichkeiten für einen Igel, sich ein Überwinterungsnest zu bauen. Knie- bis hüfthohe Laubhaufen an windgeschützter Stelle zusammenharken, am besten unter eine Konifere oder ein Gebüsch harken und mit Reisig und kleinem Geäst beschweren: dort stören Sie sich nicht optisch daran, das Laub kann nicht verweht werden, und der Igel kann darin ein Winterschlafnest bauen. Er wird hineinkriechen und sich drinnen immer im Kreis drehen, so dass die Blätter schließlich dachziegelartig geschichtet um ihn herum liegen, wasserfest und wärmedämmend.
Futter
Man füttert dem ehemaligen Pflegeigel am besten sein gewohntes Futter. Wenn mehrere Igel kommen und sich bedienen, erhöht man die Futtermenge natürlich, denn auch diese Igel haben es im Spätherbst nötig. Man füttert so viel, dass morgens noch ein kleiner Rest übrig ist (sonst war es nicht genug…) Pro Igel bemisst man:
- ca. 200 g Katzendosenfutter, mit Kartoffelstampfer oder Gabel zu Brei zerdrücken,
- 2 bis 3 El. Igeltrockenfutter (lose erhältlich in einschlägigen Tierfuttergeschäften, wie „Fressnapf”, „Futterhaus” oder „Miezebello”, abgepackt in Kartons auch in einigen Supermärkten oder Gartencentern, abgepackt ist es meist deutlich teurer. Bitte aufpassen, kein Produkt für exotische Igel zu erwischen, das können unsere Europäischen Braunbrustigel nicht fressen.)
- 10 - 15 ml Wasser
- und 1 Tl. Speiseöl
Alles zu einem zähen Brei verrühren.
Futterstelle:
- Bis man den ausgewilderten Pflegeigel an der „allgemeinen Futterstelle“ sichtet, belässt man seine „Privatfutterstelle“ an der Auswilderungsstelle.
- Kommen Katzen, Füchse, Waschbären, Elstern und Krähen (morgens nach dem Hellwerden), sollte man eine Futterkiste über den Futternapf stellen, z. B. eine Apfelsinen- oder Plastikkiste, in die man ein oder zwei 10 x 10 cm große Igeltore sägt. Dann hat man auch gleich einen Regenschutz.
- Futterreste morgens wegwerfen
- Futterstelle von Hinterlassenschaften reinigen, evtl. für die künftigen Nächte jeweils 4fache frische Zeitung unterlegen
- abends bei Einbruch der Dämmerung neues Futter hinstellen, auch wenn der Igel die ersten Nächte nicht kommt, weil er seinen Freiheitsrausch auslebt. Nach ein paar Nächten hat er so richtig Hunger und erinnert sich an die Futterstelle.
- Wassernapf allmählich in Richtung der (bestimmt in Ihrem Garten vorhandenen) Vogeltränke verschieben, bis man den Igelwassernapf weglassen kann.
- Lesen Sie zur Einrichtung von Futterstellen auch den Text zu Frage Nr. 13.
Procedere der Auswilderung
Ein Igel wird abends ausgewildert. Bis dahin bleibt er in seiner gewohnten Pflegebox, oder er wird, wenn Sie ihn von mir oder einer anderen Igelstation zum Auswildern bekommen haben, tagsüber in dem Auswilderungskarton gelassen und an einem kühlen, ruhigen Ort abgestellt (Treppenhaus, Windfang, Garage, Keller)
In der späten Abenddämmerung, wenn es nahezu dunkel ist, stellt man entweder den Igel in seinem bisherigen Schlafhaus unter ein Gebüsch oder setzt ihn in das vorbereitete Holzschlafhaus. In beiden Fällen Futter- und Wassernapf neben den Eingang des Schlafhauses stellen.
Bei einem Auswilderungskarton den Klebestreifen von dem eingeschnittenen Tor entfernen, Tor aufklappen — und es dem Igel selbst überlassen, wann er sich in die Freiheit wagt (30 Sekunden bis 3 Stunden, alles ist möglich). Das Auswilderungshaus am nächsten Tag wegnehmen bzw. das Papphaus wegwerfen – der Igel geht i. d. R. nicht wieder hinein und soll dies auch nicht.
Fotos: Maria Kellner
Beenden der Fütterung zum Winterbeginn
Es fällt nicht ganz leicht, auf einen Schlag mit dem Füttern aufzuhören, aber ist es das Richtige für die Igel. Das Beenden der Futterstelle sollte erfolgen, wenn dauerhaft nächtliche Temperaturen unter +5° herrschen oder aber am 1. Dezember.
Die Futterstelle nicht „ausschleichend“ beenden, denn wenn man das Futter peu à peu reduziert, fressen die Igel alles, was sie noch angeboten bekommen, und man hält sie dadurch wach und vom Winterschlaf ab. Sowohl eine reduzierte Futtermenge als auch ein Weiterfüttern mit gewohnter Menge, aber bei Nachttemperaturen unter +5° bewirken, dass Igel abnehmen, weil sie für den Erhalt der Körpertemperatur mehr Energie verbrauchen, als sie fressen können. Daher ist es besser, sie mit einem plötzlichen Totalentzug zu konfrontieren, so dass sie mit dem erreichten Gewicht (hoffentlich) sehr bald winterschlafen gehen. Wenn man mit dem Füttern gar nicht aufhört, laufen die Igel eventuell eines Nachts im Schnee herum und werden vom lähmenden Einsetzen des Winterschlafreflexes überrascht, so dass sie es nicht mehr in ihr Nest schaffen. Dann erfrieren sie.
Man erleichtert den Igeln den Nahrungsentzug und Winterschlafbeginn, wenn man konform mit der Wetterentwicklung aufhört zu füttern: Wenn die Prognose sagt "heute wird es deutlich kälter", hört man genau dann mit dem Füttern auf, auch wenn es noch Ende November ist. Und wenn man in der Wetterprognose sieht, dass dies vielleicht erst am 4.12. so kommt, dann füttert man eben am 3.12. das letzte Mal. Also alles nicht ganz wörtlich nehmen, sondern mitdenken!
